Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe (1.954 m)

Die Winter auf der Schmittenhöhe (1.954 m) bei Zell am See sind in den vergangenen 30 Jahren kälter geworden. Im linearen Trend ist die mittlere Wintertemperatur von minus 3,4 auf minus 4,5 Grad Celsius gesunken, das heißt um 1,1 Grad C. Siehe dazu die Abb. 1.

Der Winter 2011/12 war auf der Schmittenhöhe mit minus 6,8 Grad Celsius der kälteste Winter der letzten 35 Jahre, und der zweitkälteste seit 1969/70. Die Standardabweichung dieser 30-jährigen Messreihe beträgt 1,7 Grad Celsius. Arithmetisches Mittel: Minus 4,0 Grad Celsius.

Abb. 1: Der Verlauf der mittleren Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe (1.954 m) von 1986/87 bis 2015/16. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 1: Der Verlauf der mittleren Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe (1.954 m) von 1986/87 bis 2015/16. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Die Messstation Schmittenhöhe befindet sich derzeit auf einer Seehöhe von 1.954 Meter, vormals auf 1.973 m. Die Daten sind homogenisiert und wurden von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) angekauft. Als Winter wird wie in der Meteorologie üblich die Zeitspanne von 01. Dezember bis 28. bzw. 29. Februar betrachtet.

 

Messdaten auf benachbarten Bergstationen

Der Rückgang der Wintertemperaturen in den letzten 30 Jahren kann auch auf benachbarten Bergstationen beobachtet werden. Am Kitzbüheler Hahnenkamm (1.802 m), 29 km Luftlinie von der Schmittenhöhe entfernt, zeigt sich ein ähnliches Bild wie am Zeller Hausberg.

Auch am Arlberger Skiberg Galzig (2.079 m), am Rauriser Sonnblick (3.106 m) und am Innsbrucker Patscherkofel (2.252 m) wurde ein winterlicher Temperaturabfall beobachtet. Messreihen aus Deutschland (Zugspitze, Feldberg, Fichtelberg, Brocken, Hoher Peissenberg u.a.) und der Schweiz (Jungfraujoch, Weissfluhjoch, Säntis, Malojapass u.a.) untermauern den Trend. Dies bestätigen der Klimaexperte Dipl.-Met. Gerhard Hofmann vom Deutschen Wetterdienst und der Klimatologe Dr. Stephan Bader von MeteoSchweiz.

 

Das winterliche Temperatur-Niveau auf der Schmittenhöhe seit 1970/71

Die mittleren Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe sind seit 1970/71 statistisch unverändert bei etwa minus 4,3 Grad Celsius. In den letzten 46 Jahren hat sich insgesamt keine nennenswerte Verschiebung des winterlichen Temperatur-Niveaus eingestellt. Der 10-jährige gleitende Durchschnitt befindet sich gegenwärtig bei minus 4,1 Grad Celsius. Zu Beginn des Messzeitraumes lag er mit minus 4,3 Grad Celsius etwas tiefer. Arithmetisches Mittel dieser 46-jährigen Messreihe: Minus 4,34 Grad Celsius. Standardabweichung: 1,6 Grad Celsius. Vgl. Abb. 2.

Abb. 2: Der Verlauf der mittleren Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe (1.954 m) von 1970/71 bis 2015/16. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 2: Der Verlauf der mittleren Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe (1.954 m) von 1970/71 bis 2015/16. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Dies bedeutet, dass sich für einen heute 50-jährigen Skisportler, der seit seinem 4. Lebensjahr auf der Schmittenhöhe Ski fährt, hinsichtlich der Wintertemperaturen insgesamt keine nachhaltige Veränderung ergeben hat.

 

Die Winter auf der Schmittenhöhe seit 1895/96

Eine 121-jähige Messreihe der ZAMG zeigt die Entwicklung der Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe seit dem Beginn des Skitourismus in Zell am See. Der 10-jährig gleitende Durchschnitt (grüne Linie) beginnt bei minus 4,9 Grad und steht derzeit bei minus 4,1 Grad Celsius. Dies bedeutet, dass die letzten 10 Winter der Messreihe (2004/05 bis 2013/14) im Schnitt um 0,8 Grad Celsius wärmer waren als die ersten 10 Winter der Messreihe, und um 0,9 Grad Celsius wärmer als das 121-jährige regionale Wintermittel (minus 5,0 Grad C). Aus der Grafik wird ersichtlich, dass die Winter auf der Schmittenhöhe von 1987/88 bis 1997/98 deutlich wärmer als heute waren. Standardabweichung dieser 121-jährigen Messreihe: 1,6 Grad Celsius. Arithmetisches Mittel: minus 5,0 Grad Celsius. Vgl. Abb 3.

Abb. 3: Der Verlauf der mittleren Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe (1.954 m) von 1895/96 bis 2015/16. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 3: Der Verlauf der mittleren Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe (1.954 m) von 1895/96 bis 2015/16. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Ein baldiges Ende des Skisports auf der Schmittenhöhe kann aus den Messdaten derzeit nicht abgeleitet werden. Es gibt dafür keinerlei Indizien.

 

Beigezogene Experten

Die Auswertung der Schmittenhöhe-Daten wurde von Meteorologen, Klimaforschern, Glaziologen und Hydrographen aus dem Netzwerk www.zukunft-skisport.at eingesehen. Vielen Dank für wertvolle Diskussionen, Anregungen und Ergänzungen:

:: Univ.-Prof. em. Dr. Michael Kuhn (Universität Innsbruck, Meteorologe)
:: Dr. Stephan Bader (Klimatologe, Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz)
:: Mag. Christian Zenkl (Selbständiger Meteorologe, Wettercafé Innsbruck)
:: Dipl.-Met. Gerhard Hofmann (Deutscher Wetterdienst, Leiter Klimabüro München bis 12/2014)
:: Univ.-Prof. i.R. Dr. Heinz Slupetzky (Universität Salzburg, Geograph und Glaziologe)
:: Univ.-Prof. i.R. Dr. Gernot Patzelt (Universität Innsbruck, Geograph und Glaziologe)
:: Univ.-Doz. i.R. Dr. Josef Goldberger (Universität Salzburg, Geograph und Glaziologe)
:: Dipl.-Forstw. Christian König (Münchner Medien-, Wetter- und Klimaberater)
:: und viele mehr

Hier Downloadbar – die große Schmittenhöhe-Studie zu den Veränderungen der Wintertemperaturen und der Schneemesswerte der letzten Jahrzehnte, veröffentlicht im November 2014:
Die Studie zur Schmittenhöhe (November 2014) als pdf zum Download.

 

Wie immer handelt es sich bei den Klimadaten auf www.zukunft-skisport.at um Betrachtungen “im Rückspiegel” und nicht um Prognosen. Seit dem Ende der “Kleinen Eiszeit” im 19. Jahrhundert sind die Temperaturen im Alpenraum allgemein stark angestiegen. Während sich die Sommer auf den Bergen seit Mitte der 1980er Jahre markant erwärmt haben, befinden sich die alpinen Bergwinter seit Mitte der 1980er Jahre in einem Abkühlungstrend. Für den Skisport ist dies eine erfreuliche Atempause. Bei den Schneemengen in mittleren Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.000 Metern Seehöhe konnte nach Durchsicht der Daten der Österreichischen Hydrographischen Landesdienste innerhalb der letzten 115 Jahre kein Abwärtstrend festgetellt werden. Der Klimawandel stellt für den Skisport im Alpenraum derzeit keine existentielle Bedrohung dar.