Schneemessreihen Waidring in Tirol (778 m)

Waidring, ein Wintersportort im Nordosten von Tirol, ist einer der schneereichsten Orte des gesamten Bundeslandes. Ein Blick auf die Landkarte lässt erkennen, dass sich Waidring in einer gewaltigen Nordstaulage befindet: Nach Norden hin ist der Weg für anströmende feuchte Meeresluft praktisch frei von topographischen Hindernissen. Die Luftmassen werden von der Steinplatte und den Loferer Steinbergen gehoben, was zu ergiebigen Niederschlägen zu allen Jahreszeiten führt. Die Waidringer Schneedaten werden vom Hydrographischen Dienst des Landes Tirol erhoben. Die Messstelle befindet sich aktuell auf 778 Metern Seehöhe und wird derzeit von Andreas Seywald geführt. Seit 1946/47 sind die Aufzeichnungen lückenlos.

 

Jährliche Neuschneesummen in Waidring

Seit 1946/47 liegt die mittlere jährliche Neuschneesumme im arithmetischen Durchschnitt bei 399 Zentimeter (blaue Linie). Der 10-jährige gleitende Durchschnitt (jeweils zehn Jahre werden zusammengefasst) zeigt deutlich die unterschiedlichen Phasen seit 1946/47. So wurde die schneereichste 10-Jahres-Periode in Waidring mit 492 cm von 1998/99 bis 2007/08 beobachtet. Im Zehn-Jahres-Mittel von 1954/55 bis 1963/64 wurden lediglich 288 cm Neuschnee gemessen. Die Extremwerte der Messreihe: Viel Schnee fiel mit 827 Zentimeter im Winter 2005/06 sowie 732 Zentimeter im Winter 1999/2000. Wenig Schnee gab es 1971/72 mit nur 158 cm und 1989/90 mit 162 cm Neuschneesumme.

Abb. 1: Der Verlauf der jährlichen Neuschneesummen in Waidring (778 m) von 1946/47 bis 2014/15. Daten: Hydrographischer Dienst des Landes Tirol, erhoben durch Andreas Seywald. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 1: Der Verlauf der jährlichen Neuschneesummen in Waidring (778 m) von 1946/47 bis 2015/16. Daten: Hydrographischer Dienst des Landes Tirol, erhoben durch Andreas Seywald. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Jährliche maximale Schneehöhen in Waidring

Seit 1928/29 liegt die mittlere maximale Schneehöhe bei 93 Zentimeter (blaue Linie). Der 10-jährig gleitende Durchschnitt (jeweils zehn Jahre werden zusammengefasst) zeigt deutlich die unterschiedlichen Phasen der letzten 88 Jahre. So wurden die größten Schneehöhen in 10-Jahres-Perioden in den 1930er Jahren registriert. Geringe Schneehöhen gab es in den 1990er Jahren. Die Extremwerte der Messreihe: 160 cm im Winter 2008/09 sowie 35 cm im Winter 1989/90. Keine Werte: 1941/42 bis 1945/46.

Abb. 2: Der Verlauf der jährlichen maximalen Schneehöhen in Waidring (778 m) von 1946/47 bis 2014/15. Daten: Hydrographischer Dienst des Landes Tirol, erhoben durch Andreas Seywald. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 2: Der Verlauf der jährlichen maximalen Schneehöhen in Waidring (778 m) von 1946/47 bis 2015/16. Daten: Hydrographischer Dienst des Landes Tirol, erhoben durch Andreas Seywald. Grafik: www.zukunft-skisport.at

 

Jährliche Tage mit Schneebedeckung in Waidring

Seit 1946/47 liegt die mittlere Anzahl der Tage mit Schneebedeckung bei 132 Tagen (blaue Linie). Der 10-jährig gleitende Durchschnitt (jeweils zehn Jahre werden zusammengefasst) zeigt eine eher geringe Variabilität. Die Extremwerte der Messreihe: 181 Tage im Winter 1972/73 sowie 71 Tage im Winter 2006/07. Letzterer ist Skisportlern im gesamten Alpenraum durch den Sturm Kyrill in Erinnerung. Dieser sorgte dafür, dass die Wiesen im Jänner komplett ausaperten.

Anm. Die Waidringer Schneedaten wurden zu Beginn der Messreihe beim Gasthof Strub aufgezeichnet wurden, welcher sich in einer außergewöhnlichen Schattenlage befindet. Dadurch wurden “längere” Winter als im Rest des Waidringer Talkessels gemessen. Der aktuelle Standort im Westen Waidrings ist repräsentativ für die gesamte Ortschaft.

Abb. 3: Der Verlauf der jährlichen Anzahl der Tage mit Schneebedeckung in Waidring (778 m) von 1946/47 bis 2014/15. Daten: Hydrographischer Dienst des Landes Tirol, erhoben durch Andreas Seywald. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 3: Der Verlauf der jährlichen Anzahl der Tage mit Schneebedeckung in Waidring (778 m) von 1946/47 bis 2015/16. Daten: Hydrographischer Dienst des Landes Tirol, erhoben durch Andreas Seywald. Grafik: www.zukunft-skisport.at

 

Jahre mit später Bildung der Winterdecke (“Zuschneien”) in Waidring

Anlässlich des späten Winterbeginnes 2015/16 und der aus diesem Grund emotional geführten Debatte über die “Schneesicherheit” der heimischen Skigebiete soll hier eine weitere interessante Information von den Daten des Hydrographischen Dienstes herausgefiltert werden. In welchen Jahren ist der Beginn der Winterdecke in Waidring erst am Heiligen Abend oder später erfolgt?

Anm.: Die Winterdecke ist definiert als der längste ununterbrochene Zeitraum der Wintersaison mit einer geschlossenen Schneebedeckung. Der Volksmund spricht beim Beginn der Winterdecke vom “Zuschneien” bzw. “Einschneien”.

 

1959/60: 02. März
1960/61: 02. Jänner
1964/65: 06. Jänner
1987/88: 08. Jänner
1989/90: 24. Dezember
1992/93: 26. Jänner
1997/98: 20. Jänner
2002/03: 05. Jänner
2006/07: 23. Jänner
2014/15: 26. Dezember
2015/16: 03. Jänner

 

Wie immer handelt es sich bei den Klimadaten auf www.zukunft-skisport.at um Betrachtungen “im Rückspiegel” und nicht um Prognosen. Seit dem Ende der “Kleinen Eiszeit” im 19. Jahrhundert sind die Temperaturen im Alpenraum allgemein stark angestiegen. Die alpinen Bergwinter sind seit Mitte der 1980er Jahre in einem Abkühlungstrend, während sich die Sommer markant erwärmt haben. Für den Skisport ist dies eine erfreuliche Atempause. Bei den Schneemengen in mittleren Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.000 Metern Seehöhe konnte nach Durchsicht der Daten der Österreichischen Hydrographischen Landesdienste innerhalb der letzten 115 Jahre kein Abwärtstrend festgetellt werden. Der Klimawandel stellt für den Skisport im Alpenraum derzeit keine existentielle Bedrohung dar.