Schneemessreihen aus Kitzbühel

Eine am 02. Dezember 2003 in Turin vorgestellte UNO-Studie mit dem Titel „Klimawandel und Wintersport: Ökologische und ökonomische Bedrohungen“ (BÜRKI / ELSASSER / ABEGG 2003) versetzte das Tourismusland Österreich in helle Aufregung. TV-Anstalten, Radiosender sowie sämtliche Printmedien publizierten die Studie und rückten somit ein ohnehin brisantes Thema noch mehr in das Rampenlicht: Geht den Alpen der Schnee aus?

Die Autoren Rolf Bürki, Hans Elsasser und Bruno Abegg von der Universität Zürich verfassten die Studie anlässlich des 5. Welt-Kongresses für Sport und Umwelt vom 02. bis 03. Dezember 2003 in Turin, veranstaltet vom IOC und dem UNEP (United Nations Environment Programme). Zum Teil massiv mildere Winter, mehr Niederschlag und eine Zunahme von extremen Wetterereignissen werden darin prophezeit. Namentlich erwähnen sie darin die weltbekannte Skistadt Kitzbühel im Nordtiroler Unterland, mit 760m Seehöhe relativ niedrig gelegen, die ihrer Meinung nach schon in wenigen Jahrzehnten in skitouristischer Hinsicht existentielle Probleme zu erwarten hat. Ist der österreichische Wintersport Kitzbühel, mit seinem Hahnenkamm-Rennen eines der Synonyme für den alpinen Skisport, tatsächlich bald schneefrei?

Diese Frage kann und will in diesem Blog nicht beantwortet werden. „Zukunft Skisport“ wertet vielmehr amtliche Schnee- und Temperaturstatistiken der jüngeren Vergangenheit aus, ohne sich dabei zu Prognosen verleiten zu lassen.

 

Aktuelle Schneemessreihen aus Kitzbühel (Tal, 760 m)

Eine Wetterstation der ZAMG befindet sich am Kitzbüheler Talboden auf ca. 760 Meter Seehöhe.

1) Die jährlich größten Schneehöhen seit 1896/97

Stimmt es, dass die Schneehöhen früher viel üppiger ausfielen als heute? Sehen Sie anbei die amtlichen Messdaten der Republik Österreich sowie des Landes Tirol. Die größte jemals in Kitzbühel (Tal) gemessene Schneehöhe wurde am 28. Jänner 1968 notiert: 170 cm. Große Schneehöhen brachten auch die Winter 1943/44 (135 cm) sowie 2004/05 (128 cm). Hingegen wurde im Winter 1997/98 an keinem einzigen Tag eine größere Schneehöhe als 20 cm gemessen. Im 10-jährig gleitenden Mittel (grüne Linie) wurden die größten Schneehöhen gegen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre gemessen. Phasen mit geringen Schneehöhen gab es in den 1920er Jahren und vor allem in den 1990er Jahren. Im Mittel wurde seit 1896/97 ein jährliches Schneedecken-Maximum von 70 Zentimeter erreicht. Schneehöhen von mehr als 70 Zentimeter sind in Kitzbühel überdurchschnittliche Schneehöhen. Schneehöhen von mehr als 120 Zentimeter sind Ereignisse, welche etwa einmal in 20 Jahren vorkommen.

Anm. Nr. 1: In der Grafik ist für den Winter 2016/17 vorläufig ein Wert von 51 cm notiert, dies ist die größte registrierte Schneehöhe bis zum Stichtag 16. Jänner. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass dieser Wert noch (deutlich) zulegt.

Anm. Nr. 2: Für die Winter 1910/11, 1914/15 bis 1918/19, 1925/26 bis 1927/28, 1940/41 bis 1942/43 sowie 1945/46 bis 1946/47 gibt es keine Schneemessdaten aus Kitzbühel. Diese Werte wurden mit Hilfe der benachbarten amtlichen Messstationen Kirchberg und Fieberbrunn berechnet. Es sind somit keine direkt gemessenen Messwerte, sondern aus Nachbarstationen abgeleitete Schneehöhen, die einer gewissen Schwankungsbreite unterliegen.

Abb. 1: Der Verlauf der jährlich größten Schneehöhen in Kitzbühel (Tal) von 1896/97 bis 2016/17. Daten: Hydrographischer Dienst Tirol bzw. ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

2) Tage mit Schneebedeckung

An wie vielen Tagen im Jahr liegt in Kitzbühel (Tal, 760 m Seehöhe) Schnee? Diese häufig gestellte Frage kann mit aktuellen Daten der ZAMG beantwortet werden. Im arithmetischen Durchschnitt lag in Kitzbühel in den letzten 14 Jahren an 113 Tagen Schnee. Im linearen Trend ist die jährliche Anzahl der Tage mit Schneedecke seit 2001/02 ohne signifikante Tendenz. Spitzenreiter in der jüngeren Vergangenheit ist der lange und schneereiche Winter 2005/06, welcher Kitzbühel 146 Tage mit schneebedeckten Wiesen bescherte. Dafür gab es nur ein Jahr später einen Negativ-Rekord: Der Winter 2006/07 ist sehr mild und schneearm verlaufen. Der Monat Jänner war vom legendären Sturmtief „Kyrill“ geprägt. Insgesamt brachte dieser Winter nur 62 Tage mit Schneebedeckung.

Abb. 1: Der Verlauf der jährlichen Anzahl der Tage mit Schneebedeckung in Kitzbühel (Tal, 760 Meter Seehöhe) von 2001/02 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 2: Der Verlauf der jährlichen Anzahl der Tage mit Schneebedeckung in Kitzbühel (Tal, 760 Meter Seehöhe) von 2001/02 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Anmerkung: Ein Tag mit Schneebedeckung liegt vor, wenn die Schneehöhe an der Messstation mindestens 1 cm beträgt. Der Beobachtungszeitraum für die vorliegende Messreihe ist jeweils von 01. Oktober bis 31. Mai. Schneefälle zwischen Anfang Juni und Ende September, welche (sehr selten) vorkommen können, sind in dieser Messreihe nicht enthalten.

 

3) Neuschneesummen

An der selben Messstelle werden auch die Neuschneesummen gemessen. Die Neuschneesumme wird gebildet, indem die täglich um 07.00 Uhr früh gemessenen Werte, ob und wie viel Schnee in den letzten 24 Stunden gefallen ist, am Ende der Beobachtungsperiode von 01.Oktober bis 31. Mai summiert werden.

Im arithmetischen Durchschnitt sind in Kitzbühel in den letzten 14 Jahren 232 Zentimeter Schnee pro Winter gefallen. Spitzenreiter in dieser kurzen Messreihe ist der lange und schneereiche Winter 2005/06, welcher Kitzbühel 371 Zentimeter Neuschnee bescherte. Die als „Föhn-Winter“ bekannte Messperiode 2013/14 konnte nur 118 Zentimeter Neuschnee aufweisen.

Abb. 2: Der Verlauf der jährlichen Neuschneesummen in Kitzbühel (Tal, 760 Meter Seehöhe) von 2001/02 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 3: Der Verlauf der jährlichen Neuschneesummen in Kitzbühel (Tal, 760 Meter Seehöhe) von 2001/02 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

 

Aktuelle Schneemessreihen vom Kitzbüheler Hahnenkamm (1.760 m)

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) betreibt am Kitzbüheler Hahnenkamm eine Messstation. Die teilautomatische Station für die Temperaturmessung befindet sich am Gipfel der Ehrenbachhöhe (Bereich Bergstation Fleckalmbahn) und liegt auf 1.802 Meter Seehöhe.

Das Schneemessfeld liegt auf 1.760 Meter, direkt hinter dem Hotel Ehrenbachhöhe. Die Schneemessungen erfolgen händisch durch Sepp Brandstätter, täglich um 07.00 Uhr am Morgen. Die Messperiode erstreckt sich von 01. Oktober bis 31. Mai. Die vorliegende Messreihe besteht seit 1993. Drei Winter weisen Lücken bei den Schnee-Aufzeichnungen auf: 2001/02, 2002/03 und 2007/08. Diese Winterperioden wurden bei der Auswertung ausgeklammert.

 

1) Tage mit Schneebedeckung am Kitzbüheler Hahnenkamm

Wussten Sie, dass die Wiesen am Kitzbüheler Hahnenkamm im Velauf eines Jahres häufiger weiß als grün sind? Im arithmetischen Durchschnitt lag am Messfeld während der letzten 22 Jahre an 186 Tagen Schnee.

Abb. 3: Der Verlauf der jährlichen Anzahl der Tage mit Schneebedeckung am Kitzbüheler Hahnenkamm (1.760 m) von 1993/94 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 4: Der Verlauf der jährlichen Anzahl der Tage mit Schneebedeckung am Kitzbüheler Hahnenkamm (1.760 m) von 1993/94 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

 

2) Neuschneesummen am Kitzbüheler Hahnenkamm

Im arithmetischen Durchschnitt der letzten 22 Jahre fielen beim Messfeld am Kitzbüheler Hahnenkamm auf einer Seehöhe von 1.760 Meter 737 Zentimeter pro Jahr. Die Messperiode dauert von 01. Oktober bis 31. Mai. Sommerschneefälle sind in der Statistik nicht berücksichtigt. Der alpine Katastrophenwinter 1998/99 brachte fast 11 Meter Neuschnee.

Abb. 4: Der Verlauf der jährlichen Neuschneesummen am Kitzbüheler Hahnenkamm (1.760 m) von 1993/94 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 5: Der Verlauf der jährlichen Neuschneesummen am Kitzbüheler Hahnenkamm (1.760 m) von 1993/94 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

 

3) Maximale Schneehöhen am Kitzbüheler Hahnenkamm

Im arithmetischen Durchschnitt der letzten 22 Jahre erreichte das jährliche Maximum der Schneedeckenmächtigkeit beim Messfeld am Kitzbüheler Hahnenkamm auf einer Seehöhe von 1.760 Meter exakt 180 Zentimeter. Der alpine Katastrophenwinter 1998/99 verzeichnete am Hahnenkamm eine außergewöhnliche Schneehöhe von 335 Zentimetern. Hingegen wurde im Winter 2010/11 an keinem einzigen Tag eine Schneehöhe von 100 Zentimeter oder mehr gemessen. Auffallend ist die hohe Streuung der Werte. Schneereiche und schneearme Winter scheinen in chaotischer Reihenfolge aufzutreten.

Abb. 5: Der Verlauf der jährlichen maximalen Schneehöhen am Kitzbüheler Hahnenkamm (Messfeld auf 1.760 m) von 1993/94 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Abb. 6: Der Verlauf der jährlichen maximalen Schneehöhen am Kitzbüheler Hahnenkamm (Messfeld auf 1.760 m) von 1993/94 bis 2014/15. Daten: ZAMG. Grafik: www.zukunft-skisport.at

Wie immer handelt es sich bei den Klimadaten auf www.zukunft-skisport.at um Betrachtungen “im Rückspiegel” und nicht um Prognosen. Seit dem Ende der “Kleinen Eiszeit” im 19. Jahrhundert sind die Temperaturen im Alpenraum allgemein stark angestiegen. Die alpinen Bergwinter sind seit Mitte der 1980er Jahre in einem Abkühlungstrend, während sich die Sommer markant erwärmt haben. Für den Skisport ist dies eine erfreuliche Atempause. Bei den Schneemengen in mittleren Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.000 Metern Seehöhe konnte nach Durchsicht der Daten der Österreichischen Hydrographischen Landesdienste innerhalb der letzten 115 Jahre kein Abwärtstrend festgetellt werden. Der Klimawandel stellt für den Skisport im Alpenraum derzeit keine existentielle Bedrohung dar.