Das PillerseeTal – die schneereichste Region Tirols

Wussten Sie eigentlich, dass das PillerseeTal die schneereichste Tourismusregion Tirols ist? In keiner der weiteren 33 Tourismusregionen des „Landes im Gebirg“ sind die Schneemengen ähnlich groß. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Plattform „Zukunft Skisport“ vom Dezember 2014, die Sie hier einsehen können:
Studie „Eine Analyse langjähriger Schneemessreihen aus dem PillerseeTal“

In Bezug auf die mittlere jährliche maximale Schneehöhe und auf die mittlere jährliche Neuschneesumme gibt es in Nord- und Osttirol im 30-jährigen Schnitt keine schneereichere Tourismusregion als das PillerseeTal. Das beweisen sowohl die Messdaten von 1983/84 bis 2012/13 des Hydrographischen Dienstes des Landes Tirol als auch der historische Blick in das Standardwerk zum Schnee in Nord- und Osttirol von Univ.-Prof. em. Dr. Franz FLIRI. Der ehemalige Rektor der Universität Innsbruck veröffentlicht 1992 eine Datenanalyse von enormem Umfang: „Der Schnee in Nord- und Osttirol. 1895 – 1991“.

Für die vorliegende Studie wurden von www.zukunft-skisport.at ausschließlich Messreihen von Dauersiedlungsräumen ausgewertet. Neben dem PillerseeTal sind die Nordstaugebiete Lechtal, Olympiaregion Seefeld, Tannheimer Tal und Achensee besonders schneereich, ihre Schneemengen bleiben im 30-jährigen Durchschnitt jedoch deutlich unter den Werten des PillerseeTales. Osttirol kann bei häufigen Südstaulagen enorme Schneemengen verzeichnen, erreicht aber im langjährigen Durchschnitt die Werte der typischen Nordstaulagen nicht. Von den großen Tiroler Seitentälern im Bereich des Alpenhauptkammes (Kaunertal, Pitztal, Ötztal, Wipptal, Stubaital, Zillertal) können bezüglich der Neuschneesummen und der maximalen Schneehöhen nur einzelne Bereiche in den Talschlüssen mit den Staulagen der nördlichen und südlichen Kalkalpen mithalten.

Hochfilzen bleibt im 30-jährigen Durchschnitt (1983/84 bis 2012/13) sowohl in Bezug auf die mittlere jährliche Neuschneesumme (671 cm) als auch auf die mittlere jährliche maximale Schneehöhe (134 cm) in ganz Tirol unerreicht. Die historischen Auswertungen Franz FLIRI’s (1992) bestätigen diese Erkenntnis.

Die 30-jährigen Durchschnittswerte des PillerseeTales von 1983/84 bis 2012/13:
:: Mittlere jährliche Neuschneesumme: 516 Zentimeter
:: Mittlere jährliche maximale Schneehöhe: 111 Zentimeter
:: Mittlere jährliche Anzahl der Tage mit Schneebedeckung: 137 Tage

Anm.: Dies sind Mittelwerte der Stationen Waidring, St. Ulrich, Fieberbrunn und Hochfilzen. Die mittlere Seehöhe der vier Messstationen beträgt 864 Meter. In St. Jakob in Haus betreibt der Hydrographische Dienst Tirol keine Messstation.

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1) Jährliche Neuschneesummen im PillerseeTal

Die mittlere jährliche Neuschneesumme aus vier Messreihen im PillerseeTal liegt im 30-jährigen Durchschnitt von 1983/84 bis 2012/13 bei 516 Zentimeter. Sowohl die Trendlinie als auch der 10-jährige gleitende Durchschnitt zeigen eine steigende Tendenz. Der Winter 1998/99 weist mit 813 Zentimeter die größte Neuschneesumme der Messreihe auf.

Abb. 1: Die jährlichen Neuschneesummen im PillerseeTal von 1983/84 bis 2012/13. Daten: Hydrographsicher Dienst des Landes Tirol.

Abb. 1: Die jährlichen Neuschneesummen im PillerseeTal von 1983/84 bis 2012/13. Daten: Hydrographsicher Dienst des Landes Tirol.

2) Jährliche maximale Schneehöhen im PillerseeTal

Die mittlere jährliche maximale Schneehöhe aus vier Messreihen im PillerseeTal liegt im 30-jährigen Durchschnitt von 1983/84 bis 2012/13 bei 111 Zentimeter. Der 10-jährige gleitende Durchschnitt und auch die Trendlinie zeigen eine steigende Tendenz an. Der Winter 2011/12 weist mit 182 Zentimeter die größte Schneehöhe seit 1981 auf.

Abb. 2: Die jährlichen maximalen Schneehöhen im PillerseeTal von 1983/84 bis 2012/13. Daten: Hydrographsicher Dienst des Landes Tirol.

Abb. 2: Die jährlichen maximalen Schneehöhen im PillerseeTal von 1983/84 bis 2012/13. Daten: Hydrographsicher Dienst des Landes Tirol.

3) Jährliche Anzahl der Tage mit Schneebedeckung im PillerseeTal

Die mittlere jährliche Anzahl der Tage mit Schneebedeckung aus vier Messreihen im PillerseeTal beträgt im 30-jährigen Durchschnitt von 1983/84 bis 2012/13 137 Tage. Im Messzeitraum ist eine gleichbleibende Tendenz erkennbar: Der lineare Trend verläuft nahe Null. Im Winter 1991/92 waren die Wiesen im PillerseeTal an 169 Tagen weiß. Der warme Winter 2006/07 brachte lediglich 94 Tage mit Schneebedeckung.

Abb. 3: Die jährlichen Tage mit Schneebedeckung im PillerseeTal von 1983/84 bis 2012/13. Daten: Hydrographischer Dienst des Landes Tirol.

Abb. 3: Die jährlichen Tage mit Schneebedeckung im PillerseeTal von 1983/84 bis 2012/13. Daten: Hydrographischer Dienst des Landes Tirol.

 

Beigezogene Experten:
Der vorliegende Bericht wurde von Hydrographen, Meteorologen, Glaziologen und Klimaforschern aus dem Netzwerk www.zukunft-skisport.at eingesehen. Ein großer Dank für wertvolle Diskussionen, Anregungen und Ergänzungen ergeht vor allem an:
:: HR Dr. Wolfgang Gattermayr (Hydrographischer Dienst des Landes Tirol, langjähriger Leiter)
:: Ing. Martin Neuner (Hydrographischer Dienst des Landes Tirol)
:: Univ.-Doz. i.R. Dr. Josef Goldberger (Universität Salzburg, Geograph und Glaziologe)


Vielen Dank für die großartige Unterstützung an das gesamte Team des Hydrographischen Dienstes des Landes Tirol! Ein besonderer Gruß ergeht an Hofrat Dr. Wolfgang Gattermayr für unersetzliche Beratungen. Der Studie und ihren Grafiken liegen stets die originalen Messdaten des Hydrographischen Dienstes des Landes Tirol, der ZAMG und der TIWAG zu Grunde. Der Autor möchte darauf hinweisen, dass diese Studie ausschließlich auf gemessene Daten basiert. Die verwendeten aktuellen und regionalen Schneedaten zeichnen ein interessantes Bild der jüngsten winterlichen Klimaentwicklungen in Tirol. Die Studie kann und will keinerlei Prognosen für die Zukunft bieten. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Studie (Herbst 2014) lagen noch keine plausibilisierten Daten für den Winter 2013/14 vor. Die Messreihen enden somit einheitlich mit dem Winter 2012/13.

 

Wie immer handelt es sich bei den Klimadaten auf www.zukunft-skisport.at um Betrachtungen “im Rückspiegel” und nicht um Prognosen. Seit dem Ende der “Kleinen Eiszeit” im 19. Jahrhundert sind die Temperaturen im Alpenraum allgemein stark angestiegen. Die alpinen Bergwinter sind seit Mitte der 1980er Jahre in einem Abkühlungstrend, während sich die Sommer markant erwärmt haben. Für den Skisport ist dies eine erfreuliche Atempause. Bei den Schneemengen in mittleren Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.000 Metern Seehöhe konnte nach Durchsicht der Daten der Österreichischen Hydrographischen Landesdienste innerhalb der letzten 115 Jahre kein Abwärtstrend festgetellt werden. Der Klimawandel stellt für den Skisport im Alpenraum derzeit keine existentielle Bedrohung dar.